Psycho­analytische Hypnose­therapie
Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen
Josef Breuer initiierte in seiner Arbeit mit Anna O. die Methode der Hypnose im Rahmen der kathartischen Therapie, um psychische Prozesse zu fördern. Obwohl Sigmund Freud sich später von der Hypnosetechnik distanzierte, erkannte er dennoch ihren potenziellen Nutzen an, insbesondere unter Berücksichtigung der Nondirektivität des Psychoanalytikers. In seinem Werk Wege der psychoanalytischen Therapie betonte Freud die Notwendigkeit,
„[…] das reine Gold der Analyse reichlich mit dem Kupfer der direkten Suggestion zu legieren, und auch die hypnotische Beeinflussung könnte dort wie bei der Behandlung der Kriegsneurotiker wieder eine Stelle finden. Aber wie immer sich auch diese Psychotherapie für das Volk gestalten wird, aus welchen Elementen sie sich zusammensetzen mag, ihre wirksamsten und wichtigsten Bestandteile werden gewiss die bleiben, die von der strengen, der tendenzlosen Psychoanalyse entlehnt worden sind.“ (Freud, 1918b, S. 193f.)
Theoretische Konzepte der psychoanalytischen Hypnosetherapie
Freud beschrieb in seiner Selbstdarstellung (1925), dass einige Patienten im psychoanalytischen Prozess in hypnoseähnliche Zustände geraten. Ernest Simmel verband Psychoanalyse und Hypnose, während Sándor Ferenczi die Erfahrung machte, dass Patienten in Trancezustände verfielen, die er als „Neokatharsis“ bezeichnete und als therapeutisches Potenzial betrachtete. Im Verlauf der Geschichte wurden beide Methoden immer wieder miteinander kombiniert.
Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts brachten bedeutende Entwicklungen im Bereich der Psychoanalyse und Hypnose hervor. Die Begründer der Hypnoanalyse waren Psychoanalytiker, die untersuchten, wie eine Kombination aus psychoanalytischer Technik und Hypnose die Behandlung verbessern könnte. In diesem Kontext lässt sich auch die psychoanalytische Hypnosetherapie einordnen.
Die Begriffsbildung „Psychoanalytische Hypnosetherapie“ erfolgte auch aus einer Distanzierung von dem gegenwärtigen Begriffsgebrauch der Hypnoanalyse. Betrachtet man die frühe Geschichte der Hypnoanalyse, zeigt sich, dass die Hypnoanalytiker Psychoanalytiker waren und die Psychoanalyse im Zentrum der Theoriebildung stand. In diesem ursprünglichen Anliegen, die Hypnose für die Psychoanalyse nutzbar zu machen, sind die Psychoanalytische Hypnosetherapie und Hypnoanalyse vergleichbar und ähnlich. Doch auch zu Beginn der Hypnoanalyse in den 30er-Jahren zeigten sich theoretische Spannungen in Hinblick auf das Verständnis von Freud. So schrieb Freud in seinem Tagebuch, am 14. Februar 1930 an Max Eitingon[2] über eine Broschüre zur Hypnoanalyse von Semyon Lifschitz, Professor der Physik,
„(…) seine Kenntnis der PA ist nicht weit her nach seinen Zitaten zu schließen, den einzigen, etwas abgetragenen Autor, den er erwähnt, heisst er Sprengler, meint wohl Sperber. Er bestätigt all die Charaktere des Traumes, die ich beschrieben habe, doch ist für ihn der Traum sinnlos.“ (Freud, zit. n. Molnar 1996, S. 98)
Das Begriffsverhältnis Psychoanalytische Hypnosetherapie und Hypnoanalyse
Begriffliche Differenzierung: Psychoanalytische Hypnosetherapie und Hypnoanalyse
Diese Kritik verdeutlicht, dass Freud einigen Vertretern der Hypnoanalyse eine mangelnde Kenntnis der psychoanalytischen Methodik unterstellte. Die Theorieentwicklung der Hypnoanalyse erlangte im weiteren Verlauf eine differenzierte psychoanalytische Fundierung, insbesondere durch Erich Fromm und andere Autoren. Allerdings zeigt eine aktuelle Analyse des Behandlungsangebots moderner Hypnosetherapien, dass die psychoanalytische Grundlegung zunehmend in den Hintergrund tritt. Die Psychoanalyse wird dabei mitunter auf die Konzepte der Übertragung und des Widerstands reduziert, obwohl sie weitreichendere theoretische und methodische Dimensionen umfasst. Zudem wird der Begriff Hypnoanalyse heute vielfach in einer Weise verwendet, die nicht mehr zwingend eine fundierte psychoanalytische Ausbildung voraussetzt. Dies birgt das Risiko, dass psychoanalytische Prinzipien in der therapeutischen Anwendung verloren gehen.
Trotz dieser Differenzen soll vermieden werden, in die wechselseitige Abwertung zwischen Vertretern der beiden Methoden einzustimmen. Ziel dieser Arbeit ist vielmehr die Untersuchung der theoretischen Verbindungspunkte zwischen Psychoanalyse und Hypnose. Wie in den folgenden Kapiteln dargelegt wird, weisen zahlreiche hypnoanalytische Ansätze, insbesondere diejenigen von Fromm, signifikante Parallelen zur psychoanalytischen Hypnosetherapie auf.
Burkhardt argumentierte, dass sich die Hypnoanalyse erst Mitte des 20. Jahrhunderts als eigenständige Allianz zwischen Psychoanalyse und Hypnose etablieren konnte:
„[…] die theoretische Weiterentwicklung der Psychoanalyse hin zur Ich-Psychologie und die Abkehr von dem strikten suggestionstheoretischen Modell auf Seiten der Hypnose […] eröffneten neue Perspektiven.“ (Burkhardt, 1992, S. 62)
Diese Einschätzung ist jedoch nicht uneingeschränkt zu teilen. Bereits Simmel entwickelte ein Konzept der psychoanalytischen hypnotischen Behandlung (Psychokatharsis), das Regressionsprozesse in der Hypnose als zentral für den psychoanalytischen Prozess betrachtete. Ebenso ließen sich Ferenczis Arbeiten zur Mutter/Vater-Hypnose sowie zum Dissoziationszustand in der Hypnose in diesen theoretischen Rahmen einordnen. In seinem Konzept der Neokatharsis beschrieb Ferenczi eine hypnotische Behandlung ohne direkte Suggestion, ein Prinzip, das auch in der psychoanalytischen Hypnosetherapie Anwendung findet.
Darüber hinaus fließen in die psychoanalytische Hypnosetherapie weitere theoretische Elemente ein, insbesondere die Arbeiten von Paul Schilder. Seine Fokussierung auf psychophysiologische Reaktionen des Patienten in Hypnose sowie seine Untersuchungen zur Sexualität in der Übertragung während hypnotischer Zustände liefern wertvolle Impulse für die psychoanalytische Konzeptualisierung der Hypnose.
Die psychoanalytische Hypnosetherapie stellt eine theoretisch und methodisch fundierte Verbindung zwischen Psychoanalyse und Hypnose dar. Während die Hypnoanalyse in ihrer heutigen Anwendung oftmals von psychoanalytischen Grundprinzipien ablässt, bleibt die psychoanalytische Hypnosetherapie in ihrer Konzeption eng mit den klassischen Konzepten der Psychoanalyse verbunden. Eine erneute Auseinandersetzung mit den historischen und theoretischen Grundlagen dieser Methode könnte dazu beitragen, ihre Relevanz im psychotherapeutischen Diskurs zu stärken.
Erika Fromm, die im vorangegangenen Abschnitt als maßgebliche Mitbegründerin der Hypnoanalyse vorgestellt wurde, bietet mit ihren theoretischen Ansätzen zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Psychoanalytische Hypnosetherapie. In ihrem Verständnis lassen sich methodische Elemente der Hypnoanalyse auch auf die Psychoanalytische Hypnosetherapie übertragen. Dies wird in der Beschreibung von Burkhard Peter in seinem Aufsatz „Erika Fromms Beitrag zur Hypnoanalyse“ (1992) wie folgt zusammengefasst:
„Verkürzt gesagt, könnte man Hypnoanalyse zunächst als eine Psychoanalyse bezeichnen, welche durchgeführt wird, während der Patient sich – zumindest teilweise, d.h. 25-70% der Zeit – in hypnotischer Trance befindet.“ (Peter 1992, S. 64)
Im Folgenden möchte ich einige methodische Aspekte, hinsichtlich dessen, wie sie sich im Zuge der psychoanalytischen Arbeit mit Hypnose verstehen lassen, umreißen.
Die Bewusstmachung von Unbewusstem, Verdrängtes erinnern und durcharbeiten als Ich-Stärkung und Ziel der Psychoanalytische Hypnosetherapie
„Wo ‚ES’ ist, soll ‚Ich’ werden“, war ein zentrales Ziel in der Theorie Freuds. (Freud 1923b, S.241) Dieses Ziel spielt auch in der Hypnoanalyse eine wichtige Rolle, und kann ebenso als vornehmliches Ziel der Psychoanalytische Hypnosetherapie verstanden werden. Die diesbezüglich angewandte Methode lässt sich mit Peter i.S. von Fromm wie folgt zusammenfassen:
Wie ordnungsgemäß durchgeführte Psychoanalyse benutzt die Hypnoanalyse bezüglich ihres vorrangen Zieles, dem Aufdecken und Durcharbeiten unbewussten Materials, ebenfalls die klassischen Methoden der freien Assoziation, der Traumdeutung und des Umgangs mit Abwehr und Widerstand und der Übertragung und Gegenübertragung.“ (Peter 1992, S. 64)
Auch bei Freud lässt sich finden, dass die Patienten in der Hypnose sofort über ihr ganzes Erinnerungsvermögen verfügten, ohne dass man es ihnen suggerieren musste. (Vgl. Freud 1892-93, S. 12) Freud meinte dazu:
„Halten wir fest, dass es die peinlichen Kontrastvorstellungen, welche das normale Bewusstsein hemmt und zurückweist, waren, die im Moment der hysterischen Disposition hervortraten und den Weg zur Körperinnervation fanden, so haben wir den Schlüssel auch zum Verständnis der Eigentümlichkeit hysterischer Anfallsdelirien in der Hand.“ (Freud 1892-93, S.14)
Diesbezügliche Erfahrungen lassen sich auch mit jenen aus der Psychoanalytische Hypnosetherapie teilen.
Patienten erleben ihre eigene Lebensgeschichte wieder und beginnen das Verdrängte zu erinnern. Im Unterschied zur Hypnose oder Hypnotherapie geht es allerdings nicht um das Initiieren von Veränderungen, sondern darum, das Verdrängte zu erinnern und durchzuarbeiten. Die Veränderung findet unbewusst statt. Falls der Patient die eigene Biografie in Bildern erlebt, frage ich nach Affekten, nach Emotionen. Er deutet, konstruiert und rekonstruiert und erreicht eine tiefere Regression im Dienste des Ichs.
Die Rolle der freien Assoziation in der Psychoanalytischen Hypnosetherapie
Auch die immer wieder vorzunehmende Auseinandersetzung mit der Grundregel der freien Assoziation, der Suggestion und den psychoanalytischen Wirkfaktoren lässt die Beschäftigung mit der Hypnose erneut als bedeutsam erscheinen.
Die freien Assoziationen erlauben dem Patienten in der Hypnose, sich in das Unbewusste zu vertiefen. Der Ansatz von Fromm lässt sich dabei auch für die Psychoanalytische Hypnosetherapie gültig beschreiben:
„Wie in der Psychoanalyse wird der Patient auch in der Hypnoanalyse angehalten, frei zu assozieren. In Hypnose entstehen diese freien Assoziationen leichter und eher in Form von Imaginationen anstatt von reinen verbalen Assoziationen; als eher primärprozesshafte Erscheinungen, die leichter zugrundeliegende Konflikte, Wüsche und Abwehroperationen offenbaren, wird damit auch häufiger gearbeitet als mit verbalen freien Assoziationen.“ (Peter 1992, S. 64)
In der Behandlung werden Träume wieder bewusst. Es ist auch möglich, dass die Patienten ihren Traum auf der Couch fortführen, bis sie das Ziel des therapeutischen Traums verstehen können. Die Hypnose auf der Couch geschieht nach einer gewissen Zeit automatisch, manche Patienten fallen in eine ganz tiefe Hypnose und erleben fast psychotische Episoden. Sie können mit Hilfe des Therapeuten diese Zustände im Dienste des Ichs aushalten, bewältigen und verstehen.
Aus Mangel an Urvertrauen entwickeln Patienten viele Vorstellungen, die Angst erzeugen. Die Auffforderung an den Patienten, sich in der Hypnose die Frage zu stellen „Was wäre, wenn …” eröffnet ihm Bilder und Vorstellungen zu entwickeln, anhand derer sich die bedrohlichen Gefühle begreifen, verstehn und bearbeiten lassen. So lernen sie, sich mit ihrer Angst zu konfrontieren und sie zu bewältigen, was wiederum einen Wachstum des Ichs ermöglicht.
In der Psychoanalytischen Hypnosetherapie werden die Symptome hinsichtlich ihrer Verdrängungserlebnisse rekonstruiert, verstanden und mit den richtigen Emotionen und Affekten korrigiert. Das wird in der Regel sehr dramatisch erlebt.
In der Therapie lassen sich dabei über den Zustand der Hypnose oftmals rasche Regressionszustände aus früh erlebten Kindheitsphasen beobachten. Diese zeichnen sich darüber hinaus auch durch eine besondere Intensität aus, die sich über die Erreichung von dissoziativen Zuständen beschreiben lässt: So beschreiben Patienten ihre Einfälle nicht mehr aus der Reflexion („Ich erinnere mich …“) sondern im unmittelbaren Wiedererleben der Situation, was von den unmittelbaren, zugehörigen Emotionen begleitet ist. Die Vergangenheit, die Vorstellung wird zur Gegenwart, der auch der Therapeut folgt, bspw. mit der Frage „Was fühlen Sie in diesem Moment?“ Der Wechsel dieser Zustände ist über die Schilderungen oft direkt beobachtbar.
In dieser Infantilisierung erleben sich die Patienten in einer Dissoziation, sie sind Erwachsene und Kinder, manche erleben mehr die Positionen des Über-Ichs und Es, manchmal werden sie von der Frage überrascht, wo das Ich ist. Genauso wird in der Fantasie das Bewusste, Unbewusste und Vorbewusste für sie klar sichtbar, was die Patienten und den Analytiker zusammen zur Dechiffrierungsarbeit führt.
Wie eingangs erwähnt habe ich mich absichtlich von klassischen hypnotischen Induktionen distanziert. Ebenso wird auf Suggestionen verzichtet, und darauf, Bilder vorzugeben. Dabei beziehe ich mich auf die psychoanalytische Regel, den Schwerpunkt auf die Entfaltung der Innenwelt des Patienten zu legen. Im Prozess des Kennenlernens werden Charakterzüge, Haltungen, Stimmungen, Hoffnungen, Warmherzigkeit, Sinneseindrücke, Einbildungskräfte, Empfindungen, Stimmungen, Neigungen, Wünsche, Vorstellungen, Reize und vor allem auch körperliche Reaktionen beobachtet.
Der Patient soll gemäß der Regel der freien Assoziation seine spontanen Einfälle dem Therapeuten mitteilen, ohne sie zu bewerten oder sich ihrer zu enthalten, auch wenn sie unangenehm oder unwichtig scheinen. In der Behandlung übernimmt der Patient die aktive Rolle und begibt sich in eine Kommunikation und Interaktion mit dem Therapeuten. In dieser Art ist die Technik in gewisser Weise auch an Breuers bereits erwähnter „Morgenhypnose“ von Anna O. orientiert, der ebenfalls auf Suggestionen verzichtete, und seine Patientin reden ließ.
Am Anfang werden, wie auch bei den in Kap. 8 dargestellten Patienten Hypnose, Entspannungstechniken und Visualisation angewandt: Wenn die Patienten auf der Couch liegen, sind sie in der Regel schnell in der Lage, in einen hypnoiden Zustand zu geraten, ohne Worte, ohne Anleitung. Der Therapeut begleitet den Patienten dann nur mit der Atmung und erreicht damit die Vertiefung des Trancezustandes.
Während der Behandlung erscheint es zudem wichtig, die Mimik des Patienten, die körperlichen Reaktionen, Furcht, Empfindungen sowie körperliche Zuckungen, die unwillkürlich geschehen, zu beobachten. Dabei hat es sich bewährt, den Patienten darauf aufmerksam zu machen, ob er sich dessen bewusst ist, was in diesem Moment geschieht.
In Hinblick auf die Bedeutung körperlicher Ausdrucksformen lässt sich an dieser Stelle auf Schilder verweisen, der die biologischen Aspekte in der Behandlung in den Blick nahm: Zucken, Zittern, Anspannungen, etc. während der Hypnose stellten für ihn für ihn Asudruckformen von Verdrängtem dar, die es für ihn für den Verstehensprozess zu beachten galt.
Auch in der Psychoanalytische Hypnosetherapie richten sich die Beobachtungen auf die körperlichen Reaktionen auf der Couch, die oftmals verstärkt zutage treten: es zeigen sich Verspannungen, Zuckungen oder Krampfanfälle. Eine Deutung kann sich dann daraufhin auf die Reflexion des Geschehens beziehen, so bspw.: „Ihr Körper erinnert gerade irgendetwas, das Sie nicht erinnern.” Darauf beginnen die Patienten Bilder oder Erinnerungen zu produzieren, Unbewusstes wird bewusst.
Auf die Frage hin, was der Körper erinnert, werden entweder uralte Erfahrungen aufgedeckt oder sie erleben diese in Form von Bildern und Symbolen, die immer noch unbewusst sind. Die Krampfanfälle zeigen dabei, dass starke Affekte tief verdrängt sind, besonders bei Patienten mit Zwang und Tinnitus. Ein Patient halluzinierte beispielsweise in der Hypnose. Der Autor nannte sein Schreien „Schreien in Stille“, weil der Patient oft mit all seiner Kraft, aber mit reduziertem Ton schrie, er war nicht in der Lage, laut zu schreien.
Oft lässt sich beobachten, dass Patienten gelernt haben, bedrohliche Gefühle, wie bspw. ihre Angst zu vermeiden, was bedeutet, vor ihnen davonzulaufen. Patienten lernten in schmerzvollen Situationen ihre Angst zu verdrängen, genauso wie ihre Wut, diese wird nicht durch das Ich, sondern über den Körper abreagiert. Patienten versuchen dieserart, mit ihrem Leidensdruck einen Ausgleich zu schaffen, entwickeln „falsche“ Vorstellungen und rutschen in körperliches Leid.
In der Analytischen Hypnosetherapie werden diese falschen Vorstellungen korrigiert. In der Psychoanalytischen Hypnosetherapie kommen diese Patienten in die Lage, sich z.B. mit jener Angst zu konfrontieren und im Zuge dessen auch der Gewinn durch das Symptom im Dienst des Ichs betrachtet werden kann.
Markant für diese Form der Therapie erscheint auch die Intensität der Affekte und Emotionen. Manchmal wird die Szene auf der Couch sehr dramatisch, Patienten erleben Konvulsionen, dadurch wird der Zugang zu den Affekten wiederhergestellt. Immer wieder erlebt der Autor, dass Patienten einen Tremor in den Extremitäten zeigen. Danach verspüren sie Wut auf das gehasste Objekt, die direkt stellvertretend auf den Analytiker in der Hypnose übertragen wird, der zur Projektionsfläche des Patienten geworden ist. Seine Bewegungen, seine Atmung oder Worte erzeugen manchmal Erinnerungen an den Täter oder an frühere Bindungsobjekte, der Analytiker wird dann gehasst.
Erlebnisse von Wut und Schmerz treten immer wieder auf, Patienten können auch Rachegefühle oder Todesfantasien erleben, so töten manche Patienten das gehasste Objekt oder ein früheres Bindungsobjekt in der Fantasie.
So zeigte beispielsweise die Erfahrung mit dem stotternden Patienten, dessen Fallgeschichte auch in Kap. 8 dargestellt wird, dass dieser sein ganzes Leben emotional sehr gehemmt war. Er hatte gelernt, ein „lieber, netter Kerl“ zu sein. Als der Patient seinen ganzen Hass auf den Therapeuten zu erleben und ihn zu beschimpfen begann, fand er einen Ausdruck für seine negativen Emotionen und einen Weg, diese durchzuarbeiten, und konnte auf diese Weise seine Symptome abgeben.
Patienten erleben dieser Art die traumatischen Erfahrungen oder eingeklemmten Affekte und Emotionen in der Hypnose wieder, damit kann die Korrektur der Erfahrung durch Fantasien und Empfindungen stattfinden und die verdrängten Affekte werden damit wiederhergestellt und befreit.
Die neurotische Übertragung findet in der Psychoanalytische Hypnosetherapie im Vergleich zur klassischen Psychoanalyse ziemlich schnell statt. In diesem somnambulistischen Zustand vertiefen sich die Patienten mehr in ihre unbewusste Welt, es entstehen oftmals innerhalb weniger Sitzungen bereits Bilder oder Beziehungsfantasien mit dem Therapeuten, der die Position des unbewussten Über-Ichs des Patienten erleben wird. Der Therapeut schweigt und begleitet.
Die Übertragung in der Psychoanalytische Hypnosetherapie gestaltet sich oftmals sehr intensiv. Chertok bezeichnete die Übertragung im hypnotisierten Zustand als „wild“ (Chertok 1969), aber auch Freud beschrieb, dass die Übertragung in der Hypnose unberechenbar war (vgl. Freud 1937c, S. 68), deren Heftigkeit auch im I. Teil der Arbeit auch einen Grund für die Distanzierung Freuds von dieser Technik vermuten ließ.
Wie beschrieben, behandle ich in meiner Praxis bewusst Patienten mit den drei verschiedenen Methoden: mit der klassischen Psychoanalyse, nur mit Hypnose, und mit der hier angeführten Kombination beider Methoden. Die Erfahrungen waren unterschiedlich, genauso wie die Übertragungsprozesse in beiden Methoden. In der Kombinationsmethode konnte ich jedoch beobachten, dass Übertragung und Gegenübertragung viel intensiver sind.
Hierzu lässt sich auch Paul Schilder anführen, der in seinem Konzept u.a. die Sexualität in der Übertragung fokussierte, und Beobachtungen des Auftretens von bspw. körperlichem Zittern als erotischer Erregung im Hypnoseprozess machte. Für ihn hatten Hypnose und Suggestion eine erotische Wurzel und beförderten diesbzügliche Übertragungsprozesse, mit intensiven Ausdrucksformen. In der Psychoanalytischen Hypnosetherapie lassen sich diese Übertagungstendenzen ebenfalls oft sehr rasch und heftig auftretend ausmachen, wie sich in einer der später folgenden Falldarstellungen in Kap. 8 auch noch zeigen wird.
In der Gegenübertragung werden die Gefühle des Patienten sehr intensiv spürbar. Es ist manchmal eine Trancearbeit, in der der Patient Bilder von dem, was er gerade erlebt, entwickelt. Manchmal ist es dem Therapeuten möglich zu intervenieren oder zu deuten, weil er die zugehörigen Affekte selber erlebt. Dies kann als Arbeitstrance, wie sie auch bei Puysegur und den Hellsehern beschrieben wird, verstanden werden. Dabei taucht im Therapeuten zum Beispiel ein beklemmendes Gefühl auf, er spürt eine Anspannung im Körper, erlebt die unmittelbaren Gefühle von Angst, oder ein Trauergefühl und beginnt zu weinen.
Genauso wie bei der Übertragungsneurose kann der Widerstand ziemlich schnell auftreten. Es wird dann schwer, da manche Patienten keine Bilder oder Erinnerungen produzieren und schweigen, wobei das Schweigen, wie Ferenczi gesagt hat, Gold ist. Während des Schweigens begleitet der Therapeut[3] den Patienten nur mit der Atmung, und der kann sich in den Trancezustand vertiefen.
Patienten mit zwanghaften und masochistischen Störungen beschleunigen aufgrund der Angst, die Kontrolle auf der Couch zu verlieren, den Widerstand, oder sie fürchten, dass sie irgendetwas erinnern oder sehen könnten, was sie nicht wollen. Der psychoanalytische Hypnosetherapeut wird von den Patienten als omnipotent und allwissend gesehen, damit verbunden ist der Wunsch, vom Therapeuten beschützt zu werden, was ihn in eine Infantilisierung mit unwillkürlichen körperlichen Reaktionen wie Zuckungen oder Zittern rutschen lässt. Manche Patienten sagen sogar, sie frieren und hätten gern eine Decke, weil es ihnen unerträglich kalt wird. Bei körperlichen Reaktionen wird gefragt, was der Körper erinnert, und erstaunlicherweise werden so viele Erinnerungen aufgedeckt.
Lorenzer A. (1985) bezeichnet den Psychoanalytiker als Detektiv. Diese Sichtweise repräsentiert für den Autor die moderne Erklärung für die Konzentration und Aufmerksamkeit auf das dargebotene unbewusste Material des Patienten im Dienst des Ich-Wachstums. Manchmal entstehen Fantasien, die, oberflächlich betrachtet, gar nichts mit dem betroffenen Patienten zu tun haben. Es handelt sich dabei um eine Verkleidung für das verdrängte Material oder für traumatische Erfahrungen, die der Patient nicht erinnern will.
Die Behandlung basiert auf den eigenen Ressourcen des Patienten, in gewisser Weise ist es eine Autosuggestion durch Vorstellungskraft. Durch die wieder erlebte negative Erfahrung wird das Ich gestärkt, indem der Patient den seelischen Schmerz in Begleitung des Analytikers aushalten muss. Die Korrektur findet statt, indem der Patient spürt, dass er mit diesem schwierigen Erlebnis nicht allein gelassen wird, sondern die Unterstützung durch den Analytiker erfährt. Angst und Schrecken lösen sich, der Patient darf und kann in dieser Situation seine Wut wieder ausleben, was er zuvor nicht konnte oder durfte. Damit erfolgt auch die Beseitigung des organischen Leidens. Die Analyse in der Hypnose führt so zur Klärung und Beseitigung des Symptoms.
Abschließend lässt sich der Kanon von hypnose-analytischen Ansätzen vielleicht folgendermaßen begreifen:
“I thought it was she, and she thought, it was me, and when we come near it weren´t neither one of us. Old saw (Marks 1947 S. 58) [Übers.: Ich dachte, es war sie, und sie dachte, es war ich, und als wir uns nahe gekommen sind, war es keiner von uns.] (Alte Sage)
Im folgenden Abschnitt soll nun die Praxis der Psychoanalytischen Hypnosetherapie anhand von fünf ausgewählten Falldarstellungen dargelegt, reflektiert und dem Diskurs bereitgestellt werden.
Psychoanalytische Hypnosetherapie und Neurowissenchaft
Die Verbindung zwischen psychoanalytischer Hypnosetherapie und Neurowissenschaften ist besonders spannend, da sie beide versuchen, das menschliche Verhalten, die Emotionen und das Unbewusste zu verstehen – allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven. Während die psychoanalytische Hypnosetherapie auf psychodynamische Theorien und unbewusste Konflikte setzt, bietet die Neurowissenschaft einen biologischen und neurophysiologischen Blick auf die zugrunde liegenden Mechanismen.
Neurowissenschaftliche Studien zur Hypnose und deren Anwendung in der Therapie haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und beginnen, die Mechanismen zu erklären, die die psychoanalytische Hypnosetherapie zugrunde liegen. Dabei gibt es mehrere Aspekte, die besonders relevant sind:
- Veränderung der Gehirnaktivität während der Hypnose: Studien mit bildgebenden Verfahren (wie fMRT und EEG) haben gezeigt, dass Hypnose zu spezifischen Veränderungen in der Gehirnaktivität führt. Während des hypnotischen Zustands zeigen sich Unterschiede in der Aktivität von Hirnregionen, die mit Bewusstsein, Wahrnehmung und Emotionen verbunden sind. Ein Beispiel dafür ist die Veränderung der Aktivität impräfrontalen Kortex, der mit Selbstreflexion und höheren kognitiven Prozessen in Verbindung steht, sowie in den limbischen Regionen, die für Emotionen und Gedächtnis zuständig sind. Diese Veränderungen könnten erklären, warum Hypnose den Zugang zu unbewussten Inhalten erleichtert und die Verarbeitung von emotionalen Erlebnissen intensiviert.
- Unbewusste Prozesse und neuronale Netzwerke: Die psychoanalytische Hypnosetherapie geht davon aus, dass unbewusste Prozesse das Verhalten beeinflussen. Neurowissenschaften unterstützen diese Sichtweise, indem sie untersuchen, wie Informationen im Gehirn gespeichert und abgerufen werden, ohne dass sie ins bewusste Gewahrsein gelangen. DasDefault Mode Network (DMN), das oft mit Tagträumen und unbewussten Prozessen in Verbindung gebracht wird, scheint während der Hypnose aktiv zu sein. Dies könnte die Grundlage dafür liefern, warum Hypnose das Zugänglichmachen von verdrängten Erinnerungen oder unbewussten Konflikten fördert.
- Erinnerungen und Trauma: Ein zentraler Bereich in der psychoanalytischen Hypnosetherapie ist die Arbeit mit verdrängten oder traumatischen Erinnerungen. Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass das Gehirn verschiedene Mechanismen nutzt, um belastende oder traumatische Erlebnisse zu verdrängen. Die Hypnose könnte diese Prozesse umkehren und den Patienten in einen Zustand versetzen, in dem das Gehirn diese Erlebnisse mit einer veränderten emotionalen Reaktion verarbeitet. Die Hypnose scheint dashippocampale System zu aktivieren, das für das Gedächtnis und die Integration von Erfahrungen verantwortlich ist, und könnte es dem Patienten ermöglichen, traumatische Erlebnisse aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
- Schmerzmodulation und Körperwahrnehmung: Hypnosetherapie wird häufig zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt. Neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Hypnose die Schmerzwahrnehmung im Gehirn verändert. Dies könnte durch eine Modulation dersomatosensorischen Kortex-Aktivität und der Schaltstellen im zentralen Nervensystem Bei psychoanalytischen Hypnosetherapeuten wird oft angenommen, dass chronische Schmerzen auch psychische Wurzeln haben können, wie verdrängte emotionale Konflikte oder ungelöste Traumata. Die neurowissenschaftliche Perspektive unterstützt diese Hypothese, indem sie die neuronalen Veränderungen beleuchtet, die während der Behandlung auftreten.
- Abwehrmechanismen und Gehirnaktivität: In der psychoanalytischen Hypnosetherapie spielen Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Projektion oder Sublimierung eine zentrale Rolle. Neurowissenschaftliche Forschungen deuten darauf hin, dass diese psychischen Mechanismen durch die Aktivität bestimmter Hirnregionen gesteuert werden. Beispielsweise könnte dieinsuläre Region, die mit Selbstwahrnehmung und interozeptivem Bewusstsein verbunden ist, eine Rolle bei der Regulierung von Abwehrmechanismen spielen. Die Fähigkeit, während der Hypnose auf verdrängte Inhalte zuzugreifen und diese zu integrieren, könnte durch eine Veränderung der Aktivität in diesen Regionen erleichtert werden.
Therapeutische Veränderungen und neuronale Plastizität: Ein faszinierender Aspekt der Hypnosetherapie ist ihre Fähigkeit, tiefgreifende Veränderungen im Gehirn herbeizuführen. Neurowissenschaftliche Studien zur neuronalen Plastizität zeigen, dass das Gehirn in der Lage ist, sich basierend auf neuen Erfahrungen und Eingriffen zu reorganisieren. In der psychoanalytischen Hypnosetherapie könnte dies bedeuten, dass die Konfrontation mit verdrängten oder unbewussten Inhalten und deren Integration zu einer dauerhaften Veränderung der neuronalen Netzwerke führt, die für das emotionale Erleben und die Verhaltensmuster des Patienten verantwortlich sind.
Obwohl die neurowissenschaftliche Forschung zur Hypnose immer vielversprechendere Ergebnisse liefert, gibt es noch viele offene Fragen und Herausforderungen. Die Subjektivität der Hypnose, die individuelle Reaktionsweise der Patienten und die Vielfalt der angewandten Techniken machen es schwierig, allgemeingültige Aussagen über die genauen neuronalen Mechanismen zu treffen. Ein weiterer Punkt ist die Integration dieser Erkenntnisse in die psychoanalytische Theorie – die Herausforderung besteht darin, sowohl die psychischen als auch die biologischen Aspekte des menschlichen Erlebens miteinander zu verbinden.
Trotz dieser Herausforderungen stellt die Verknüpfung von psychoanalytischer Hypnosetherapie und Neurowissenschaften ein spannendes Feld dar, das viel Potenzial für das Verständnis und die Behandlung von psychischen Erkrankungen bietet. Die Weiterentwicklung beider Disziplinen könnte neue Ansätze für therapeutische Interventionen liefern, die sowohl das Unbewusste als auch die biologischen Grundlagen psychischer Prozesse berücksichtigen.
[1] Legieren, lat. ligare, verbinden, vereinigen (Meyers Enzyklopädisches Lexikon 1975, Band XIV, S. 723)
[2] Eitingon Max (1881-1943), polnischer Psychiater und Psychoanalytiker. Er war eine wichtige Figur in der Geschichte der internationalen Psychoanalytischen Bewegung bis hin zum Zweiten Weltkrieg. (Wörterbuch der Psychoanalyse Roudesco/Plon 2004, S. 208)
[3] Pacing und Leading sind Prinzipien der Tranceinduktion, die in der Hypnose zur Herstellung des Rapports angewendet werden. Pacing bedeutet Begleiten oder Folgen und kann auf einer verbalen und nicht verbalen Ebene stattfinden. (Wörterbuch der Psychotherapie. Stumm/Pritz 2000
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