Angststörung

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung. Angsterkrankungen treten insgesamt bei etwa 13 % aller Erwachsenen und Jugendlichen auf. Unbehandelt zeigen Angststörungen zumeist einen chronischen Verlauf. Wenn dieser Zustand über Jahre andauert, kann es bei vielen Betroffenen zu weitergehenden, schwerwiegenden Komplikationen und zu Begleiterkrankungen kommen, z. B. zu Depressionen, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch.

Über 10 % aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens so stark, häufig und langandauernd unter Ängsten, dass es zu ausgeprägtem Leiden, Vermeidungsverhalten und deutlichen Einschränkungen im alltäglichen Leben kommt.

Die Behandlung von Angststörungen
Die Verhaltenstherapie kann aufgrund ihrer wissenschaftlich nachgewiesenen Effekte als die erfolgversprechendste Form der Psychotherapie bei Angststörungen angesehen werden.
In der Verhaltenstherapie wird davon ausgegangen, dass menschliches Verhalten, gleich, ob es als normal oder abweichend bezeichnet wird, durch die persönliche und soziale Lerngeschichte der Person, die Bedingungen der aktuellen Lebenssituation sowie durch die positiven oder negativen Konsequenzen des Verhaltens bestimmt wird. Psychische Störungen werden als Resultat prädisponierender, auslösender und aufrechterhaltender Bedingungen verstanden. Die Behandlung setzt in der Regel am gegenwärtigen Problemverhalten des Patienten an und zwar an denjenigen Bedingungen, deren Änderung für eine dauerhafte Lösung des Problems als notwendig erachtet werden. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf einer langfristigen Veränderung der das Problemverhalten aufrechterhaltenden Denk-, Erlebens- und Verhaltensmuster des Patienten.
Der Patient wird angeleitet, diese neuen Verhaltensmuster aktiv zu erproben, sowohl im therapeutischen Setting als auch in seinen Alltagsbedingungen. Der Patient soll „Experte“ seiner Problematik werden und in der Lage sein, eine selbstständige Analyse seiner Probleme zu erstellen und angemessene Lösungsansätze auch für zukünftige Probleme zu entwickeln.
Verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Behandlung von Angststörungen basieren auf der Erkenntnis, dass diese Störungen maßgeblich von Lernprozessen aufrechterhaltenden Faktoren (z. B. Selbstbeobachtung, Angst vor der Angst, Vermeidungsverhalten) und gedanklichen Verzerrungen (z. B. Fehlinterpretationen körperlicher Symptome, Katastrophisierungen) beeinflusst werden. Im Vordergrund der Verhaltenstherapie stehen daher Veränderungen dieser aufrechterhaltenden Bedingungen. Ein weiteres wesentliches Kennzeichen der Verhaltenstherapie ist das störungsspezifische Vorgehen. Das bedeutet, dass für jede Angstkrankheit spezielle, genau auf diese Störung zugeschnittene Behandlungsmethoden entwickelt wurden.

Die Höhenangst, die Klaustrophobie, die Flugangst oder die Angst vor bestimmten Tieren gehören zu den spezifischen Phobien. Hauptmerkmal ist eine dauerhafte, unangemessene und intensive Furcht und Vermeidung bestimmter Objekte oder Situationen, wie z. B. Höhen, Brücken, Flugzeuge, enge, volle Räume wie Fahrstühle oder Tunnel oder bestimmte Tiere. In der Regel werden diese Situationen oder Objekte vermieden. Werden diese Situationen aufgesucht oder schon in der Erwartung, diese Situationen aufzusuchen, treten die körperlichen Symptome der Angst wie Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Schwindel, weiche Knie, usw. auf. Die spezifischen Phobien beginnen in der Regel bereits in der frühen Jugend und können sich schleichend entwickeln zu einer schweren und das Leben beeinträchtigenden Störung.

Klaustrophobie

Soziale Phobie (Soziale Angst)

Die sozialen Phobien sind Angststörungen, bei denen immer dann unangemessen starke Ängste auftreten, wenn man mit anderen Menschen zu tun hat, z. B. sich in Gegenwart anderer zu äußern, vor anderen zu reden oder in irgendeiner Weise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Zu den angsterzeugenden Situationen gehört auch, mit anderen zu essen oder zu trinken oder zu schreiben, wenn jemand zusieht. Es treten die Befürchtungen auf, zu versagen, sich lächerlich zu machen, sich zu blamieren, rot zu werden, keinen Ton herauszubringen oder etwas sehr Peinliches zu tun.

Soziale Phobien beginnen bereits in der frühen Jugend, erste Anzeichen dieser Angststörungen zeigen sich manchmal als ausgeprägte Schüchternheit oder Zurückhaltung. Zu gravierenden privaten oder beruflichen Problemen kommt es in der Regel bei größeren Lebensveränderungen, z. B. nach einer Beförderung oder bei neuen Partnerschaften oder Kennenlernen fremder Menschen. Ein wesentliches Merkmal der sozialen Phobie ist das besonders bei der Agoraphobie bekannte Phänomen der „Angst vor der Angst“, was im Sinne einer hohen Erwartungsangst zu Vermeidung oder Fluchtverhalten und dadurch zur Aufrechterhaltung und Ausweitung der Problematik führt. Die Erwartungsangst, die bereits durch die Vorstellung der angstauslösenden Situationen entwickelt wird, führt dann als eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ zu körperlichen Beschwerden wie Anspannung, Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Erröten, Atemnot, Kloßgefühl im Hals, Stottern bzw. Sprechhemmung, Kopf- oder Magenschmerzen, erhöhtem Stuhl- und Harndrang.

Die körperlichen Beschwerden stellen für viele sozial Gehemmte das „eigentliche Problem“ dar, da es sich häufig um Symptome handelt, die nach außen sichtbar werden (wie Erröten, Zittern, Schwitzen) und als eigentlicher Grund für ablehnende oder negative Bewertung der Umwelt empfunden werden. Das kann dazu führen, dass sich jemand nur noch in dunklen Ecken eines Lokals aufhält, kaum im Tageslicht die Straße betritt oder als „vorbeugende Maßnahme“ sich bräunen lässt, damit das Erröten nicht auffällig wird. Im anderen Fall kann die Angst vor dem Zittern dazu führen, dass die betroffene Person vermeidet, in Anwesenheit anderer zu trinken oder zu essen oder Unterschriften zu leisten. In 50 % aller Fälle kommt es zu Depressionen als Begleit- oder Folgesymptomatik der sozialen Phobie. Viele Soziophobiker benutzen Alkohol, um eine Reduktion ihrer Symptomatik zu erreichen.

Die generalisierten Angststörungen beginnen im Gegensatz zur Panikstörung meist langsam und schleichend – oft im Zusammenhang mit lang andauernden Belastungen im Alltag oder körperlichen Erkrankungen. Patienten mit generalisierten Angststörungen leiden unter chronischer, anhaltender Angst. Dieses Gefühl begleitet sie den ganzen Tag, so dass sich die Betroffenen permanent angespannt und nervös fühlen. In Phasen starker Beanspruchung kann die Angst zunehmen, aber auch in Phasen der Ruhe, denn es bleibt mehr Zeit zum Nachdenken, Grübeln und sich Sorgen zu machen.

Allerdings wird die Angst nie so stark, dass von Panikanfällen die Rede sein könnte. Die exzessiven Sorgen stehen im Mittelpunkt der generalisierten Angststörungen. Die Betroffenen klagen, sich ständig zu sorgen und darüber keine Kontrolle mehr zu haben. Es gelingt ihnen nicht, sich abzulenken oder an etwas anderes zu denken. Oft wird befürchtet, dass den Kindern oder anderen Angehörigen etwas zustoßen könnte oder das etwas Schlimmes im Beruf, in der Schule oder in Bezug auf die finanziellen Angelegenheiten passieren wird. Unangenehme Ereignisse werden immer wieder gedanklich durchgespielt, dabei liegt der Schwerpunkt auf den negativen Aspekten und möglichem Versagen.

Die Patienten mit generalisierten Angststörungen verbringen viel Zeit damit, sich um Dinge zu sorgen, deren Eintreten sehr unwahrscheinlich ist. Studien zeigen, dass sich Betroffene durchschnittlich sechs Stunden am Tag mit Sorgen beschäftigen, gesunde Personen, aber auch Sozialphobiker, hingegen ca. eine Stunde am Tag. Die Betroffenen entwickeln auch Vermeidungsverhalten, z.B. werden Rechnungen nicht mehr geöffnet oder das Lesen von Zeitungen unterlassen. Es tritt vermehrt Rückversicherungsverhalten auf: auf der Suche nach Beruhigung telefonieren die Patienten häufig mit Bezugspersonen, fragen ständig nach, ob alles in Ordnung ist, oder treffen Entscheidungen nur nach Rücksprache.

Die Ängste und Sorgen der Patienten werden von einem hohen Anspannungsniveau und einer Vielzahl körperlicher Beschwerden begleitet wie innere Unruhe, ständige Nervosität, Konzentrationsstörungen, erhöhte Reizbarkeit, Schwindel, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Sowohl die Sorgen als auch die Beschwerden bilden schnell einen nicht mehr auflösbaren Teufelskreis von ständigen Befürchtungen, wachsender Unruhe, Nervosität und körperlichen Problemen, die sich wechselseitig verstärken. Ereignisse und Situationen des alltäglichen Lebens können dann nicht mehr bewältigt werden und die Zukunft erscheint allgemein bedrohlich und düster. Die Ängste und Sorgen können so gravierend werden, dass ein geregelter beruflicher und privater Alltag nicht mehr möglich ist. Das Familienleben wird stark belastet und Beziehungen zu Bekannten und Freunden werden in Mitleidenschaft gezogen. Besonders häufig führt dieser Zustand zu Depressionen, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit

Generalisierte Angststörung

Panikstörung (Paniksyndrom)

Im Zentrum der Panikstörung stehen Phasen intensiver, akuter Angst, die auch als Panikattacken, Panikanfälle oder Angstanfälle bezeichnet werden. Die Panikanfälle treten plötzlich und unerwartet ohne eindeutige Auslöser auf.

Die Angstattacken sind meist von vielfältigen körperlichen Symptomen begleitet, die sich innerhalb weniger Sekunden oder Minuten zu einem Höhepunkt steigern.
Die häufigsten körperlichen Symptome sind Herzklopfen, Herzrasen, Atemnot,Schwindel, Benommenheit, Schwitzen, Brustschmerzen sowie Druck- oder Engegefühl in der Brust.

Häufig sind diese körperlichen Symptome verbunden mit der Angst zu sterben, einen Herzanfall oder Herzinfarkt zu erleiden, ohnmächtig zu werden, Angst, verrückt zu werden oder Angst, die Kontrolle zu verlieren. Während eines Panikanfalls zeigen die Betroffenen oft ausgeprägtes hilfesuchendes Verhalten: Sie rufen den Notarzt, bitten Angehörige um Hilfe oder nehmen Beruhigungsmittel ein. In der Regel werden auch bei sorgfältigster Diagnostik durch Ärzte keinerlei körperliche Erkrankungen festgestellt, die diese Panikattacken erklären.
Aus Angst, weitere, nicht kontrollierbar erscheinende Panikattacken zu erleiden, entwickeln Betroffene oft sehr schnell eine Erwartungsangst (Angst vor der Angst), sie beobachten ängstlich ihre Körperreaktionen und bewerten körperliche Missempfindungen als bedrohlich und als Anzeichen einer erneuten Panikattacke.

Durch die ängstliche Beobachtung und katastrophisierende Bewertung der vegetativen Symptome intensivieren sich die körperlichen Symptome, es kommt zu einer Eskalation und zu einer erneuten Panikattacke. Diese Eskalation nennt man auch den „Teufelskreis der Angst“. Viele Patienten mit Panikanfällen entwickeln im Laufe der Zeit Vermeidungsverhalten, sie vermeiden Orte, an denen Angstanfälle aufgetreten sind oder in denen im Falle eines Angstanfalls eine Flucht schwierig oder peinlich wäre (siehe Agoraphobie). Das Vermeidungsverhalten kann dazu führen, dass die Betroffenen das Haus nicht mehr alleine, sondern nur noch in Begleitung verlassen können. In der Folge kann zu Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit kommen, das Familien- und Berufsleben ist in der Regel stark belastet, viele Betroffene werden aufgrund der Beeinträchtigungen durch die Angst depressiv.

Erfolgreiche Therapieprogramme zur gezielten Behandlung von Panikanfällen enthalten folgende Bestandteile: Informationsvermittlung zu psycho-physiologischen Zusammenhängen der Angstreaktion, Erarbeitung von möglichen Zusammenhängen zwischen der Angstsymptomatik und Belastungen oder Stress in der Lebensführung, Erarbeitung eines Erklärungsmodells der Panikattacken (Teufelskreis der Angst), Identifikation und Veränderung dysfunktionaler, angstauslösender Gedanken (Fehlinterpretationen körperlicher Symptome), Konfrontation mit Angstsymptomen und angstauslösenden Gedanken. Ziel der Therapie ist die Reduktion bzw. der Abbau der Angstanfälle sowie die Vermittlung von Fertigkeiten und Strategien im Umgang mit diesen Angstattacken.

Behandlung der Panikstörung

Die neurowissenschaftliche Perspektive auf Angststörungen

Die neurowissenschaftliche Perspektive auf Angststörungen hilft, die biologischen und neurologischen Mechanismen zu verstehen, die hinter den verschiedenen Angststörungen stehen. Angststörungen umfassen eine Reihe von psychischen Erkrankungen, wie z.B. generalisierte Angststörung, Panikstörung, soziale Angststörung, phobische Störungen und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Obwohl jede dieser Störungen spezifische Merkmale hat, teilen sie oft gemeinsame neurologische Prozesse, die mit der Wahrnehmung von Bedrohungen, der Regulierung von Emotionen und der Stressbewältigung zusammenhängen.

Das limbische System ist das zentrale Netzwerk des Gehirns, das für emotionale Verarbeitung, Gedächtnis und Entscheidungsfindung zuständig ist. Innerhalb dieses Systems spielt die Amygdala eine entscheidende Rolle bei der Erkennung von Bedrohungen und der Auslösung von Angstreaktionen. Sie reagiert auf potenziell gefährliche Reize und löst die sogenannte „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion aus.

  • Überaktivität der Amygdala: Bei Menschen mit Angststörungen ist die Amygdala häufig überaktiv. Diese Überempfindlichkeit bedeutet, dass die Amygdala auch auf harmlose oder nicht bedrohliche Reize übermäßig reagiert, was zu intensiver Angst führt.
  • Fehlende Hemmung durch den präfrontalen Kortex: Normalerweise wird die Aktivität der Amygdala durch den präfrontalen Kortex (PFC) reguliert. Der PFC ist verantwortlich für die kognitive Kontrolle, das rationale Denken und die Hemmung emotionaler Reaktionen. Bei vielen Menschen mit Angststörungen ist diese Hemmung des PFC auf die Amygdala gestört, was zu einer unkontrollierten und unangemessenen Angstreaktion führt.
Das limbische System und die Amygdala
Der präfrontale Kortex (PFC) und die kognitive Kontrolle

Der präfrontale Kortex ist für die Verarbeitung komplexer kognitiver Aufgaben wie Planung, Entscheidungsfindung und die Regulierung von Emotionen zuständig. Eine der Hauptfunktionen des PFC besteht darin, die Aktivität der Amygdala zu kontrollieren und Ängste in Einklang mit der realen Bedrohungslage zu bringen.

  • Schwache Regulierung der Amygdala: Bei Angststörungen ist der PFC oft weniger in der Lage, die übermäßige Aktivität der Amygdala zu dämpfen. Dies bedeutet, dass die betroffenen Personen in Situationen, die keine echte Gefahr darstellen, dennoch starke Angst empfinden.
  • Veränderungen im PFC: Einige Studien zeigen, dass Menschen mit Angststörungen eine verminderte Aktivität in bestimmten Bereichen des PFC aufweisen, was zu einer schlechten Fähigkeit führt, Angstsymptome zu regulieren und rationale Bewertungen von Bedrohungen vorzunehmen.

Die Insula ist eine Gehirnregion, die eng mit der Wahrnehmung von Körperempfindungen und inneren Signalen (interozeption) verbunden ist, wie z.B. Herzklopfen, Atemfrequenz und Muskelanspannung. Die Insula ist wichtig für die Wahrnehmung körperlicher Reaktionen, die oft mit Angst verbunden sind.

  • Überaktivität der Insula: Bei Angststörungen kann es zu einer Überempfindlichkeit der Insula kommen, was bedeutet, dass körperliche Empfindungen, wie Herzklopfen oder schnelle Atmung, als bedrohlich wahrgenommen werden, auch wenn keine tatsächliche Gefahr besteht. Diese übermäßige Wahrnehmung von Körpersymptomen kann zu einem Teufelskreis führen, bei dem körperliche Symptome die Angst verstärken und die betroffene Person in einen Zustand chronischer Besorgnis versetzt.
Die Insula und die interozeptive Wahrnehmung
Die Rolle von Neurotransmittern

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die die Kommunikation zwischen Nervenzellen ermöglichen. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Regulation von Angst.

  • Serotonin: Serotonin ist ein Neurotransmitter, der stark mit der Stimmung, der Angstregulation und dem emotionalen Gleichgewicht verbunden ist. Ein Mangel an Serotonin wird mit Angststörungen und Depressionen in Verbindung gebracht. Ein unzureichendes Serotonin-Level kann zu einer erhöhten Sensibilität gegenüber Stress und zu einer schlechten Emotionsregulation führen.
  • GABA (Gamma-Aminobuttersäure): GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn und wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Bei Menschen mit Angststörungen ist die Funktion von GABA oft beeinträchtigt, was dazu führt, dass das Nervensystem in einem übererregten Zustand bleibt und Angst leichter ausgelöst wird.
  • Dopamin: Dopamin ist mit Belohnung, Motivation und der Regulierung von Stress und Emotionen verbunden. Ein Ungleichgewicht im Dopaminsystem kann das Gefühl von Unbehagen und Besorgnis verstärken, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Angststörungen führt.

Das autonome Nervensystem steuert die unbewussten Körperfunktionen, wie Herzschlag, Atmung und Verdauung. Es hat zwei Hauptkomponenten: das sympathische Nervensystem, das für die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion zuständig ist, und das parasympathische Nervensystem, das den Körper in Ruhephasen beruhigt.

  • Dysregulation des ANS: Bei Angststörungen ist das ANS häufig dysreguliert. Das sympathische Nervensystem kann überaktiv sein, was zu einer ständigen „Alarmbereitschaft“ führt. Infolgedessen kann eine Person plötzlich körperliche Symptome wie Zittern, Schwindel, Herzrasen oder Atemnot erleben, selbst ohne eine echte Bedrohung.

Chronische Hyperaktivität: Bei länger anhaltenden Angststörungen kann diese ständige Aktivierung des ANS zu chronischen Beschwerden führen, wie z.B. Schlafstörungen, Muskelverspannungen und einer erhöhten Anfälligkeit für körperliche Erkrankungen.

Das autonome Nervensystem (ANS)
Konditionierung und Lernen

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entstehung von Angststörungen ist das Lernen. Menschen mit Angststörungen können durch klassische Konditionierung (Assoziation von neutralen Reizen mit negativen Erfahrungen) und operante Konditionierung (Vermeidung von angstauslösenden Reizen) lernen, Angst zu entwickeln und zu verstärken.

  • Konditionierte Ängste: Ein ursprüngliches traumatisches Erlebnis oder eine unangenehme Erfahrung kann dazu führen, dass bestimmte Reize (z.B. Orte, Geräusche oder sogar bestimmte Gedanken) mit der Erfahrung der Angst verbunden werden. Dies führt dazu, dass der Körper und das Gehirn in Zukunft auf diese Reize mit Angst reagieren, auch wenn keine tatsächliche Gefahr besteht.
  • Vermeidungsverhalten: Menschen mit Angststörungen neigen dazu, angstauslösende Situationen zu vermeiden, was kurzfristig Erleichterung verschafft, aber langfristig das Angstniveau verstärken kann, da das Gehirn keine neue, weniger bedrohliche Erfahrung sammelt.

Es gibt Hinweise darauf, dass  genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Angststörungen spielen. Eine familiäre Häufung von Angststörungen deutet darauf hin, dass bestimmte Gene die Anfälligkeit für diese Störungen beeinflussen können. Forschung zeigt, dass Gene, die mit der Regulierung von Neurotransmittern (z.B. Serotonin) und der Funktion des Stresssystems zusammenhängen, das Risiko für Angststörungen erhöhen können.

Genetik und Angststörungen
Fazit

Die neurowissenschaftliche Forschung hat wichtige Erkenntnisse darüber geliefert, wie das Gehirn und das Nervensystem bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen beteiligt sind. Überaktivität von Gehirnregionen wie der Amygdala, ein dysreguliertes autonomes Nervensystem und Ungleichgewichte in Neurotransmittern wie SerotoninGABA und Dopamin sind zentrale Mechanismen. Diese neurobiologischen Prozesse erklären, warum Menschen mit Angststörungen so empfindlich auf Bedrohungen reagieren und warum ihre Angst oft nicht mit der tatsächlichen Gefährlichkeit einer Situation übereinstimmt.