Psychotherapeutische Praxis Dr. Mag. Juan José RIOS


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Herzstörung -Herzkreislauf

Arbeitsschwerpunkte > Psychosomatische Krankheiten

Herzstörungen - Herz-Kreislauf



Herzstörung,
HERZ-KREISLAUF Störungen



Funktionelle Herzstörungen
Funktionelle Störungen gehören zu den häufigsten Belastungen im Bereich von Herz und Kreislauf. Betroffen sind vor allem die sogenannten "besten Jahre", also zwischen 20 und 40. Das Beschwerdebild ist vielfältig, bereitet viel Sorge und Angst und kann erhebliche psychosoziale Folgen nach sich ziehen, bis hin zu Rückzug, Isolationsgefahr und vorzeitiger Berufsaufgabe. Die Kosten sind enorm. Doch das alles wäre nicht nötig. Eine rechtzeitige und gezielte Diagnose sowie konsequente Therapie könnte das meiste verhüten helfen. Doch dazu kommt es nur selten.
Herz und Kreislauf werden im Allgemeinen nicht wahrgenommen. Erst wenn es zu Herz-Kreislauf-Störung kommt, wird der "Motor des Lebens" registriert. Das Herz ist aber nicht nur das wichtigste, sondern auch eines der am stärksten symbolhaft besetzten Organe. Das macht es für psychosomatische Krankheiten, bei denen sich ungelöste seelische und psychosoziale Probleme in gestörten Organfunktionen niederschlagen, so anfällig, weil es zur Projektionsfigur für unerfüllte Wünsche, Ängste, für Überforderung, Stress, Wut, Enttäuschung, Neid, Missgunst u.a. wird.

Dramatisches Beschwerdebild
Nun ist mit dem Herz nicht zu spaßen. Stechen, Ziehen, Reißen, Druckgefühle, Stolpern, Rasen, "Herzschlag bis zum Hals", schließlich sogar Atemnot oder Schweißausbrüche, Schwindel u.a. gilt es sorgfältig abzuklären. Das gleiche gilt für vegetative Belastungen wie innere Unruhe, Anspannung, Müdigkeit, Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen mit Nachtschweiß usw. Das alles aber findet sich auch bei funktionellen Herzstörungen ohne organische Ursache, mitunter sogar noch zusätzliche Wirbelsäulen-, Kopf-, Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen. Ein vielfältiges, ggf. dramatisches und damit beängstigendes Leidensbild.

Am schlimmsten aber ist die bei solchen funktionellen Herzattacken aufkommende Angst vor einem Herzstillstand. Diese Todesangst wird stets hellwach erlebt, eine Bewusstlosigkeit tritt nie ein. Deshalb kontrollieren die Betroffenen dauernd ängstlich ihren Puls, schonen sich, hetzen schließlich von Arzt zu Arzt, glauben aber keinem mehr, vernachlässigen zuletzt Beruf und Familie, werden u.U. arbeitsunfähig und steigen sozial ab.
Häufig weiten sich die hypochondrischen Ängste auch auf Magen und Verdauung oder andere Organbereiche aus. Nicht selten gesellen sich dazu andere Zwangsbefürchtungen, vor allem die Angst vor engen Räumen, weiten Plätzen u.a. Im Extremfall können die funktionellen Herzstörungen in sogenannte Panikattacken münden, eine an Belastung nicht mehr zu übertreffende überfallartige Angstattacke.

Unangenehm bis lästig ist dabei die Neigung der Betroffenen, sich an Bekannte, Verwandte, am liebsten aber an "ihren Arzt" förmlich anzuklammern, und zwar im eigentlichen wie übertragenen Sinne. Manche bewegen sich nicht mal mehr vom Telefon weg und haben ständig ihr Handy zur Hand um sofort den Haus- oder Notarzt alarmieren zu können, "wenn es wieder losgeht".

Ironie des Schicksals, was den Betroffenen aber in keiner Weise hilft:
Patienten mit einer funktionellen Herzstörung haben eine höhere Lebenserwartung und sind seltener von einer organischen Herzerkrankung bedroht als die Normalbevölkerung.

Psychosomatische Aspekte
Natürlich gibt es gewisse Auslöse-Situationen, z.B. übermäßiger Kaffee- oder Nikotinkonsum, Schlafentzug, vor allem aber Stress-Situationen. Am wichtigsten aber sind Persönlichkeitsstruktur und psychologische Hintergründe. In vielen Fällen findet sich ein Trennungskonflikt, und zwar gegenüber einer Person, deren Schutz einerseits gesucht, die aber auch andererseits als dominierend erlebt wird (demütigende Abhängigkeit). Psychologisch bedeutsam ist dabei vor allem eine starke ambivalente (zwiespältige) Einstellung zwischen aggressiven Todeswünschen (sich vom Anderen zu befreien) und der Angst, die bisherige Geborgenheit zu verlieren.

Mitunter findet sich auch eine Neigung zu symbiotischen Bezügen, also eine Art überenge Schicksalsverwobenheit mit anderen Menschen. Noch deutlicher wird dies, wenn es sich um ein Einzelkind (z.B. mit fehlendem Vater und enger Fixierung an die Mutter) handelt. Überhaupt scheint die Verwöhnung eines jungen Menschen später eher unfähig zu machen, sich im Leben zu bewähren, insbesondere bei drohendem Liebesentzug.


Die Therapie ist mühsam - für beide Seiten

Die Betroffenen brauchen fachliche Hilfe, so früh und so konsequent wie möglich: zuerst die organische Abklärung (Hausarzt, Internist, ggf. Kardiologe). Aber auch in psychiatrischer (Psychotherapeutsiche) Hinsicht gibt es verschiedene Diagnosemöglichkeiten (z.B. die erwähnten Panikattacken, die immer häufiger zu werden drohen, glücklicherweise aber auf bestimmte Antidepressiva gut ansprechen). Deshalb muss man bei den funktionellen Herzstörungen wissen:

Die Betroffenen zeigen
- nicht nur keinen objektivierbaren krankhaften Befund, sondern auch keine Befundverschlechterung unter körperlicher Belastung (wie dies beispielsweise bei organischen Leiden zu erwarten wäre)
- eine ängstliche, ja fast dramatische Beschwerdeschilderung
- die Unfähigkeit, sich beruhigen zu lassen, nicht einmal durch soundsoviel unauffällige organische Untersuchungsergebnisse, dafür wechseln sie lieber den Arzt ("sicher ist sicher")
- psychosoziale Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich (s.o.), also sorgfältige Erhebung der Vorgeschichte
- die Unfähigkeit, sich auf Dauer selbst durch zahllose Normalbefunde zufrieden stellen zu lassen.

Außerdem stehen bei den funktionellen Herzbeschwerden nicht die charakteristischen Merkmale eines Herzinfarktes in Vordergrund (Schmerz und Vernichtungsgefühl), sondern die Angst davor. Und vor allem Unruhe, Erregung, Furchtsamkeit, ja Panikreaktionen.

Die Behandlung ist also mühselig. Trotzdem kann sie Erfolg haben, wenn man die nötige Geduld aufbringt. Also nicht zu früh wegschicken ("sie haben nichts"), oder bagatellisieren ("das ist nur seelisch"), sondern das Leiden als Krankheit akzeptieren, wenngleich unangenehm für Angehörige und Arzt. Entscheidend ist das zugrundeliegende psychosoziale Problem (s.o.). Das aber bedarf einer behutsamen Klärung und Lösung. Wer lässt sich schon gerne bei einer solchen "zermürbenden Krankheit" ins Gesicht sagen, dass dies nur die Folgen einer "Überbehütung oder Unfähigkeit sei, sich endlich abzulösen".

Also mittelfristige aufdeckende Psychotherapie, entweder in psychoanalytischer Einzel- oder Gruppentherapie,Hypnosepsychotherapie ggf. verhaltenstherapeutisch, um vor allem den Reifungsprozess nachzuholen. Die ansonsten hilfreichen Entspannungsverfahren (z.B. Autogenes Training) sind bei hypochondrischer Neigung problematisch (Zentrierung auf ohnehin angstbesetzte Körperbereiche, z.B. Herz).

Zurückhaltend sollte man auch bei der medikamentösen Behandlung sein. Herz- und Kreislaufmedikamente bestärken den Patienten in seiner Angst, organisch krank zu sein. Beruhigungsmittel können zwar besonders bei "Herzanfällen" ruhig stellen (vor allem in Tropfenform), mittel- oder gar längerfristig aber drohen Suchtgefahr und Indolenz-Syndrom (medikamentöse "Wurstigkeit"). Manche Ärzte greifen schließlich zur "Wochenspritze". Das kann tatsächlich vorübergehend entlasten, aber leider nur vorübergehend. Die ohnehin begrenzten Heilungsaussichten sind dann am besten, wenn - trotz aller Konsequenz - bei Therapeut und Angehörigen Geduld, Verständnis und Nachsicht zu erwarten sind. Keine leichte Aufgabe, besonders langfristig

(Prof. Dr. med. Volker Faust).
Bei allen Ausführungen handelt es sich um allgemeine Hinweise.
Bei persönlichen Anliegen fragen Sie bitte Ihren Arzt.




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